Stadtmodell importieren (CityGML)
Was importiert wird
Gebäude aus einem CityGML-Stadtmodell werden als DirectShapes ins Revit-Projekt eingefügt — pro Gebäude ein Set aus DirectShapes, je nach Bauteilklasse (Wand, Dach, Boden, Vegetation). Material, Funktion, Stockwerkanzahl und weitere AdV-Metadaten werden als Shared-Parameter mit übertragen.
Akzeptierte Quellformate
- CityGML 2.0 (
.gml,.xml) im AdV-konformen LoD1- oder LoD2-Profil. - Sowohl OGC-EPSG-URN (
urn:ogc:def:crs:EPSG::25832) als auch AdV-URN (urn:adv:crs:ETRS89_UTM32*DE_DHHN2016_NH) als CRS-Angabe.
LoD3 (Fassaden-Detail) und LoD4 (Innenraum) sind in der Free-Edition nicht enthalten und in der Pro-Edition nicht standardmäßig aktiviert. Bei konkretem Anwendungsfall auf Anfrage.
Aufbau einer Geoportal-Datei
AdV-konforme Filenames folgen dem Schema:
LoD{Detailstufe}_{UTM-Zone}_{East-LL in km}_{North-LL in km}_{Tile-Größe in km}_{Bundesland}.gml
Beispiel:
LoD2_32_664_5650_2_TH.gml
└──┘└┘ └─┘ └──┘ └┘ └┘
LoD2 Z32 East North 2km Thüringen
Inhalt einer typischen LoD2-Datei: ein <core:CityModel>-Wurzelelement mit Bounding-Envelope (CRS via srsName-Attribut) und einer Reihe <bldg:Building>-Elementen pro Gebäude. Pro Gebäude trägt der AdV-Standard u. a.:
- Identifikation:
gml:id(z. B.DETHL51P0000qOkG), externer Referenz-Block mit AdV-Objekt-ID - Datierung:
creationDate - Funktion:
function(verschlüsselter AdV-Objekt-Code, z. B. 31001 = Wohngebäude, 51001 = Garage) - Höhe:
measuredHeight(in Metern, vom Boden bis zur Dachoberkante) - Stockwerke:
storeysAboveGround - Dachform:
roofType(verschlüsselt: 1000 = Flachdach, 3100 = Satteldach, 3200 = Walmdach, …)
Diese AdV-Felder werden auf gleichnamige Shared-Parameter gesetzt, die im Revit-Projekt sichtbar und in Tabellen abfragbar sind.
Workflow
- Vorbereitung — Stadtmodell aus dem Geoportal herunterladen. Übliche Detailstufe: LoD2 (Dachformen vorhanden).
- Klick auf „CityGML" im Ribbon.
- Datei wählen.
- Georeferenzierung-Dialog — siehe Vor dem ersten Import.
- Polygonfilter (optional) — siehe Polygonfilter festlegen. Wirkt auf Gebäude-Ebene: nur Gebäude, deren XY-Mittelpunkt der Bounding Box im Polygon liegt, werden importiert.
- Materialzuordnung — siehe nächster Abschnitt.
- Ergebnis — DirectShapes pro Gebäude × Bauteilklasse; TaskDialog mit Anzahl der Gebäude, erzeugten DirectShapes und Materialien.
Materialzuordnung
Im Dialog Materialzuordnung — CityGML wird pro Bucket ein Revit-Material gewählt. Es gibt drei Modi, wie die Buckets gebildet werden:
Pro Klasse (Standard, Free + Pro)
Ein Bucket pro CityGML-Bauteilklasse — die typischen Klassen aus AdV-LoD2:
| Klasse | Was es ist |
|---|---|
| WallSurface | Außenwände |
| RoofSurface | Dachflächen |
| GroundSurface | Bodenfläche unter dem Gebäude |
| ClosureSurface | Geschlossene Öffnungen (z. B. eingelassene Fenster im LoD2) |
| Vegetation | Vegetationsobjekte (Bäume, Sträucher) |
Pro Funktion (Pro)
Buckets nach AdV-Gebäudefunktion: ein eigenes Material-Set für Wohngebäude (function = 31001), ein anderes für Garagen (51001), Wirtschaftsgebäude (51010) usw. Der AdV-Code wird automatisch in einen Klartext-Namen aufgelöst, wenn er im Stadtmodell vorhanden ist.
Pro Stockwerk (Pro)
Buckets nach Stockwerkanzahl: Einfamilienhaus-Materialien für 1–2-stöckige Bauten, andere für Mehrfamilienhäuser ab 3 Stockwerken usw. Liest das storeysAboveGround-Feld.
Die getroffene Wahl wird als projektweiter Default gespeichert. Beim nächsten CityGML-Import in dasselbe Revit-Projekt sind die Auswahlfelder vorbelegt.
Materialzuordnung nachträglich ändern
Über den Ribbon-Button Materialien… kann die Materialzuordnung eines bereits durchgeführten CityGML-Imports neu gewählt werden, ohne die Quelldatei erneut einzulesen. Der Dialog zeigt die bestehende Zuordnung, lässt einzelne Buckets ändern, und aktualisiert das Material-Attribut auf allen DirectShapes des Imports. Die Geometrie wird mit gespeichertem Import-Offset, Polygonfilter und UTM-Präfix-Shift neu erzeugt — Lage und Filterung bleiben identisch zum ursprünglichen Import.
In der Free-Edition ist nachträgliche Neu-Zuordnung nicht verfügbar; die Materialwahl passiert beim Import.
Mehrere Tiles importieren (Pro)
Pro nimmt eine Mehrfach-Auswahl entgegen und importiert alle gewählten LoD2-Kacheln in einem Lauf. Free importiert eine Datei pro Klick.
Pro vs. Free für CityGML
| Feature | Free | Pro |
|---|---|---|
| LoD1 + LoD2 importieren | ✓ | ✓ |
| Polygonfilter | ✓ (max. 4 Linien) | ✓ |
| Materialzuordnung pro Klasse | ✓ | ✓ |
| Materialzuordnung pro Funktion / Stockwerk | — | ✓ |
| Materialien nachträglich ändern (Materialien…) | — | ✓ |
| Multi-Tile in einem Lauf | — | ✓ |
| AdV-Metadaten als Shared-Parameter | ✓ | ✓ |
| CRS-Reprojektion | — | ✓ |
| Drift-Erkennung beim Re-Import | — | ✓ |
Hinweise
- Datenmenge bei großen Stadtmodellen — eine Stadt mit > 5 000 Gebäuden im LoD2 erzeugt entsprechend viele DirectShapes. Vorschlag: vor dem Import einen Polygonfilter auf das gewünschte Gebiet setzen.
- „BRep-Fehler" bei einzelnen Sonderbau-Geometrien — vereinzelt enthalten Stadtmodelle topologisch defekte Gebäude (Selbstüberschneidungen, ungültige Winding). GeoBridge fängt diese im Bauschritt ab und erzeugt einen vereinfachten Ersatz; im TaskDialog erscheint eine entsprechende Zähler-Zeile.
- Hausnummern — sind in AdV-LoD2-Daten nicht enthalten. Wer Hausnummern braucht, importiert sie separat über GeoShape mit einer ALKIS-
.shp-Datei oder der zugehörigen GeoJSON-Variante.